Montag, 16. September 2019

Uppsala

Ist es nötig im heutigen Zeitalter einen Blog zu betreiben?
Nein.
Aber da mein Langzeitgedächtnis nicht sehr vertrauenswürdig ist, versuche ich in den kommenden Monaten das ein oder andere Erlebte hier festzuhalten. Ich werde bestimmt nicht regelmäßig dazu kommen Bericht abzugeben, aber das ein oder andere Highlight wird hier vorgestellt werden. 


Am Montag, 26.08, haben mich Oma und Opa auf eine kleine Reise mit nach Schweden genommen. Wir hatten eine schöne Fahrt und sind am Mittwoch in Uppsala angekommen. Es war gar nicht viel Zeit um anzukommen - Donnerstagmorgen ging schon das Programm los! Zum Glück hatte ich mein Fahrrad mitgenommen, so konnte ich entspannt zum Campus Ultuna, etwas außerhalb Uppsalas, radeln. Es folgten zwei Tage Organisation, Einführungen und Kennenlernen. Freitagabends konnte ich den Smalltalk echt nicht mehr führen: "Wo kommst du der?", "Welches Programm belegst du?", "Master oder Austausch?", "Was ist dein Hintergrund/welchen Bachelorabschluss hast du?", "Aaaaach - auch deutsch!?" ...
Es war eine schöne Abwechslung, den Samstag mit einer kleinen Gruppe von Mädels die Sonne an einem See zu genießen. Nach und nach kamen am Nachmittag auch die anderen Leute hinzu. Es ist schon verrückt, das wir "Internationals" uns immer klüngeln und man sich auch in der Stadt regelmäßig über den Weg läuft. Hier ist ja auch alles nicht so weitläufig...


Die Uni an sich ist sehr modern un top ausgestattet. Es gibt eine einheitliche Mittagspause von 12:00 - 13:00 in der man sich  in der Küche sein Mittagessen warm machen kann und sich ein nettes Plätzchen zum Füße-hochlegen sucht. 
Auch sonst unterscheidet sich hier viel von meinen bisherigen Unierfahrungen. Da unser Kurs aus ca. 35 Leuten besteht, wird viel in Gruppen gearbeitet. Wir diskutieren über alles - sonst war meine Meinung nur am Ende des Semesters bei den Evaluationen gefragt! Die ganze Quatscherei kann aber auch anstrengend werden. 

Anschluss zu finden fiel mir leicht. Es haben sich recht schnell Grüppchen gefunden. Ich denke, das liegt auch daran, das in unserem Alter man eine Gespür für Menschen hat, die auf der gleichen Welle schwimmen. Aber trotzdem mischt es sich gut durch. Es ist kein Problem sich irgendwo dazu zu stellen und einfach ins Gespräch mit einzusteigen. 
Als International ist man mit einem unsichtbaren Band mit den anderen Austauschstudierenden verbunden. Zusätzlich haben wir in den letzten 2 Wochen viel Programm zusammen gehabt, was uns "zwang" viel miteinander zu reden und zu unternehmen. Natürlich war das eine tolle Idee - noch besser wäre es jedoch gewesen, hätte man auch die wenigen Schweden aus unseren Masterprogrammen eingeladen! Die haben sich letztendlich ausgeschlossen gefühlt, da sie nie wussten was los ist und was wir machen. Ich bin froh, schon am ersten Tag ein paar Mädels gefunden zu haben, die auch nicht Nein zu einem Vino sagen und genauso gerne tanzen gehen wie ich. So schlimm können die kommenden Monate gar nicht mehr werden!

Den anspruchsvollen Hausaufgaben und den Gruppenarbeiten wegen fehlt mir die Zeit, meine fernere Umgebung näher zu Erkunden. Da eine Monatsbuskarte 60€ kostet, versuche ich möglichst lange mit meinem Fahrrad zu fahren. Das beschränkt mich zusätzlich, weiter raus zu kommen. 
Der Wald ist aber wirklich immer einen Auslug wert. Jetzt im Spätsommer, fängt es schon leicht an nach Herbst zu riechen. Der Geruch hilft immer wieder Stress abzubauen. Jedoch ist die Stadt an sich auch so hübsch und durch den Fluss (Fyrisån) ein "urbaner Naherholungsort". Die viele Cafés und Restaurant besuchen wir nur selten, da sie leider wirklich sehr teuer sind. Aber in den Pubs der Nations ("Verbindungen" - nicht wirklich, aber ähnlich) kann man auch mal mehr als einen Cider trinken. Ich habe mich jetzt für die Värmland-Nation eingeschrieben.

Das Konzept der Nations werde ich ein eigenes Kapitel widmen - das reicht für den Anfang! 




Samstag, 3. Januar 2015

Reflexion - 4 Monate Island

Da ich weiß, dass ich wenn ich zu Hause bin keine Lust mehr haben werde diesen Beitrag zu schreiben, habe ich mich jetzt schon ein paar Tage vor meiner Abreise mit dem Thema Reflexion beschäftigt. Doch wie bringe ich mein Fazit kurz und knapp rüber? Meine Lösung: die alltbewerte Fünf-Finger-Reflexion; kurz, knackig und präzise. Natürlich werde ich nicht alle Gedanken hier auffassen und auch nicht alle Erfahrungen Revue passieren lassen, aber ich werde versuchen das wichtigste Hervorzuheben.
Daumen - was ich am Besten fand: Ganz klar, das Reisen. Somit habe ich die Gelegenheit bekommen das Land zu erkunden und wunderschöne Erlebnisse zu erfahren, Landschaften zu bestaunen und Leute kennen zu lernen. Islands Natur ist einfach herrlich, und neben der Arbeit Zeit zu haben diese zu genießen, war am Besten. Außerdem war meine Gastfamilie unglaublich herzlich und verständnisvoll. Am meisten vermissen werde ich jedoch den Sonnenaufgang beim Ausblick aus dem Küchenfenster am morgen.
Zeigefinger - worauf ich hinweisen möchte: Auf die Abhängigkeit die man durch einen Hof auf sich nimmt. Damit könnte ich nicht leben - nie frei zu haben. Man kann nicht über das Wochenende weg oder einen Tag bei Freunden oder bei der Familie verbringen, die Kühe warten nicht. Das würde mich so nerven...
Mittelfinger - was ich doof fand: Wirklich doof fand ich eigentlich nichts. Den Kuhmist hätte ich nicht gebraucht, aber das gehört einfach dazu. Mich hat nur gestört, dass ich die Sprache nicht verstand. Es war unmöglich mich bei Gesprächen einzuhaken, da ich nie eine Ahnung hatte worum es geht (Aber da es meist um Schafe, Kühe oder die anstehende Arbeit ging, hätte ich eh schwer mitreden können).
Ringfinger - was mich mit meinem Aufenthalt verbindet: Viele schöne Erinnerung, Lebenserfahrung und wieder ein großes Stück Selbstständigkeit und Selbstvertrauen. Von beidem kann man nicht genug haben.
kleiner Finger - folgendes ist zu kurz gekommen: Ich wäre gerne am Ende nochmal für 2 Wochen rumgereist. Den Westen und den Osten konnte ich noch nicht erkunden - das ist auf der To-See-Liste für's nächste mal!
Ich denke das reicht als Übersicht. Mein Ziel die isländische Kultur kennen zu lernen habe ich erreicht und dazu noch ordentlich Bonus-Eindrücke bekommen.

Der blaue Punkt ist Flúdir, die Sternchen meine besuchten Orte

Sonntag, 28. Dezember 2014

Gleðileg Jól!

Frohe Weihnacht! Ich hoffe ihr habt alle gut die Weihnachtstage überstanden. 
Meine Festlichkeiten fingen am letzten Sonntagabend an, das war die längste Nacht Islands. Aus diesem Anlass fand sich der Chor zusammen um ein paar Weihnachtsliedchen zu trällern. Das Konzert fand in der kleinen Kirche statt, die ganz in der Nähe der natürlichen Quelle ist, wo ich mal war.  Der Chor an sich hat sehr schön gesungen und es war auch eine gemütliche Stimmung - aber ich habe schrecklich gesessen! Die Bänke sind die reinste Folter: Zum einen sind sie so eng gesteckt, das ich nicht normal sitzen kann ohne meine Knie hoch zu ziehen, und zum anderen drückt die viel zu tief geratene Lehne schön zwischen meine Wirbel. Deswegen war ich erleichtert, als es auch wieder vorbei war. Gyda war nicht so begeistert gewesen von der Performance, da die Liedtexte anscheinend alle sehr seriös und eher von trauriger Stimmung waren. Das kann ich schlecht beurteilen.
Am Monatg schauten wir nach alter Tradition "Tatsächlich Liebe" und leuteten somit die gemütlichen Tage ein. eine weitere familiäre Tradition ist der Milchreis zum Mittagessen am 24. Dabei wird eine Mandel drunter gemischt und wer die Mandel in seiner Schale findet, darf das Geschenk auspacken. Dieses Jahr ist jedoch die Mandel abhanden gekommen und so wurde Jón auserkoren das Geschenk stellvertretend zu öffnen. Wie immer gab ein Gesellschaftsspiel und als Bonus eine DVD: "Of Horses and Men" - ein Film über Islandpferde und ... Leute. Keine Ahnung, Jón hat sich einen Ast abgefreut aber ich fand den Film eher langweilig und abstrus. 

Unser Weihnachtsabend  wurde mit viel Schnee und Nordlichtern begleitet. Aufgetischt wurde als Vorspeise Pfannkuchen mit Garnelen, als Hauptspeise Lammrücken mit Kartoffeln, Salat und allen möglichen anderen  Beilagen wie Rotkohl etc... Zum Nachtisch gab es Pavlova. Ich bin fast geplatzt! Es folgte eine besinnliche Bescherung unter einem vollgestopften Weihnachtsbaum. Hier in Island verschenkt man gerne an jeden den man so kennt: Nachbarn, Freunde, Familie, Kollegen, vor niemanden wird halt gemacht. Das hat nicht nur zu Folge, dass man sehr viel Geld ausgeben muss und sich jedes Jahr den Kopf zerbricht was man denn bloß nettes (und vielleicht sogar auch sinnvolles) verschenken kann - Nein! Man bekommt nämlich auch viel komisches Zeug geschenkt, denn nicht jeder macht sich so viele Gedanken. Das beliebteste "Ich-weiß-nicht-was-ich-sonst-schenken-sollte"-Geschenk war dieses Jahr ein Glas Schälchen. Das steht jetzt einmal in blau, grün, rot und weiß bei uns im Wohnzimmer. Um 23 Uhr besuchten wir noch die Messe die mit 45 Minuten und ohne Abendmahl oder anderen "Schnickschnack" ziemlich unspektakulär war. Aber als wir aus der Kirche herauskamen, hat es geschneit. Sehr Stimmungsvoll.
Den erste Weihnachtstag verbrachten wir mit Spiele spielen, Filme schauen und lesen. Ganz entspannt. Der zweite Weihnachtstag war nicht wirklich anders. Ich spazierte ein bisschen im Schnee, aber da nur die Straße geräumt ist, habe ich nicht so wirklich die große Auswahl an Wegen - entweder rechts, oder links die Straße lang. Gesternabend fuhren Gyda und ich zum dritten Mal in dieser Woche zu der kleinen Kirche, diesmal für ein Konzert der Lehrer+Freunde-Band. Die waren aber ziemlich gut und da der Auftritt fast 2 Stunden gedauert hat, hatte ich genug Zeit um eine bequeme Sitzposition zu finden.

Sonntag, 21. Dezember 2014

Ganz in Weiß

Nun ist es offiziell: Nicht mehr lang und ich bin zu Hause - was der feste Beweis ist? Ich habe meinen letzten Urlaub hinter mir! Ich war letzte Woche 5 Tage in Reykjavík und nun bleibe ich erstmal daheim.
Normalerweise liegt in der Stadt nicht so viel Schnee wie auf dem Land. Doch in Islands Hauptstadt herrscht sogar noch im Zentrum absolutes Schneechaos. Alles ist weiß - auch die Straßen. Der Verkehr ist schrecklich und ich will gar nicht wissen, wie viele Autos täglich abgeschleppt oder irgendwo herausgezogen werden. Zum Glück hatten wir uns für diese Woche kein Auto gemietet, das wäre selten dämlich gewesen. Aber einige Touristen schreckt auch kein Schneesturm mit einer Sichtweite von 5 Metern ab, Auto zu fahren. Zwei junge Männer aus meinem Hostel sind mit ihrem kleinen Mietwagen sogar zwei Tage hintereinander stecken geblieben - wer nicht lernen will, muss zahlen. Wegen des schlechten Wetters an den ersten Tagen beschränkten Lena und ich unsere Tagesaktivität am Montag auf das Einkaufszentrum: Geschenke kaufen. Abends haben wir in der Küche Suppe mit Zuchini gekocht und trafen auf Martin aus Finnland und Linda aus Norwegen. Mit den beiden hatten wir noch eine lustige Nacht im Hostel.
Am Dienstag beließen wir es auf die Museen (Siedlermuseum und Nationalmuseum) und  auf das Schwimmbad (mit Whirlpools auf der Terrasse, mitten im Zentrum, sehr schön). Am Mittwoch wagten wir uns ein bisschen weiter raus, und besuchten am Morgen noch das Maritimmuseum sowie eine Fotoausstellung und am Nachmittag fuhren wir zu Blauen Lagune. Diese hatte am Dienstag wegen Probleme mit der Temperaturregulierung geschlossen und war dementsprechend am Mittwoch immer noch kälter als üblich. Nichts desto trotz war die Lagune wirklich toll - das Wasser hat eine so blaue Farbe, das man sich nur schwer vorstellen kann, das dies natürlich ist. Außerdem ist touristisch um diese Jahreszeit nicht so viel los, deswegen konnte ich ganz in Ruhe in den Saunen alleine entspannen. Wir haben in der Lagune auch ein Mädel aus Portland getroffen (Rachel) die gerade aus ihrem Urlaub aus der Schweiz wiederkam. Mit ihr haben wir uns dann für Freitag verabredet, um den Weihnachtsmarkt zu begutachten. 
Den Donnerstag verbrachten wir schon wieder in einem Museum! Diesmal in dem Sagamuseum, jetzt kenne ich die isländische Geschichte in und auswendig. Noch letzte Besorgungen wurden erleditg und nach dem wir uns in einem Café aufgewärmt hatten, machten wir uns fertig für das Konzert des Londoner Philharmonie Orchesters in der Harpa. Mit meinen schicken Wanderschuhen enstprach ich nicht ganz dem durchschnittlichen Dresscode, aber meine Schuhauswahl ist begrenzt. Das Orchester spielte eine wirklich schöne Symphonie, und der Pianist brauchte noch nichteinmal Noten - echt beeindruckend.
Am Freitagmorgen machten wir einen Spaziergang zu dem zugefrorenen See - würde man den Schnee räumen, wäre es eine perfekte Fläche zum Schlittschuhlaufen. Nur eine Ecke ist frei von Eis, dort tummeln sich die ganzen Vögel die sonst auf dem Wasser verteilt sind. Wir trafen Rachel am Mittag am "Weihnachtsmarkt", dieser Bestand aus 10 Buden und war mir noch nicht einmal ein Foto wert. Es hätte auch ein normaler Wochenmarkt sein können, das einzig weihnachtliche war der Weihnachtsbaumverkauf. So ging schon die Woche zu Ende! Ich holte meinen Rucksack aus dem Hostel, warf einen letzten Blick auf die Berge Reykjavíks bei Tageslicht, und machte mich auch den Weg zu meinem Bus.
Den ich um ein Haar verpasste.
Ich suchte schnell die nächste Verbindung zum Busbahnhof raus und stellte mich an die Haltestelle. Nach ein paar Minuten kam auch der Busfahrer und ich konnte einsteigen. Ich sagte ihm das ich nach Selfoss fahren wolle - wohlwissend dass es knapp werden würde den drei-Uhr-Bus zu bekommen. der Fahrer machte eine klägliche Miene und verwies auf den schrecklichen Verkehr, er versprach mir aber den Busfahrer nach Selfoss anzurufen um zu fragen ob er auf mich warten könnte. Da wir aber mit 15 Minuten Verspätung am Busbahnhof ankamen, war das nicht mehr möglich. Er nahm mich aber nochmal eine Runde mit dem Bus mit, damit ich nicht so lange am Bahnhof warten musste. Am Ende gab er mir noch ein Ticket, damit ich nicht den vollen Preis nach Selfoss bezahlen muss. Ein sehr freundlicher Mann.
Am Busbahnhof angekommen unternahm ich zahlreiche Versuche Gyda zu erreichen: mein Handy hatte kein Geld mehr, sie ging an ihr Handy nicht ran. Nach einer halben Stunde vergeblichen telefonierens bat ich eine Passantin von ihrem Mobiltelefon aus eine Nachricht an Gyda schreiben zu können. Um halb fünf fuhr der nächste Bus nach Selfoss, natürlich war es für mich unmöglich meinen Anschlussbus nach Fludir zu bekommen! Gyda rief mich endlich auf halbem Weg an um mir zu berichten, dass sie keine Zeit hätte mich ich Selfoss abzuholen! Schade. Aus Spaß schrieb ich Franzi (die ein freies Wochenende hat), das sie mich bei Langeweile doch aus Selfoss abholen könne. Aber die Fahrt dauert bei gutem Wetter mindestens eine halbe Stunde, und bei den eisigen Straßen eher fast eine Stunde. So fing ich an mich mit dem Gedanken anzufreunden, die Nacht im Hostel zu verbringen. In Selfoss angekommen stellte ich fest, dass das Hostel geschlossen hat.
Plan B: Per Anhalter fahren! Nach guten zwanzig Minuten hielt ein Auto an, der nette Mann hätte mich mit nach Hella mitnehmen können, wäre aber ein falscher Ort gewesen. Keine zehn Minuten später hielt aber ein junger Mann an, der wenigsten bis auf den halben Weg nach Fludir wohnte. Ich sah anscheinend ziemlich durchgefroren aus, denn er versprach mir mich zu Not auch ganz nach Fludir zu fahren. Ich durfte dann noch mein Handy bei ihm aufladen und seins mit Guthaben benutzen. Franzi hatte sich mittlerweile dazu entschieden, mich doch auf der Hälfte einzusammeln. So bedankte ich mich überschwänglich an meinen Fahrdienst und stellte mich für eine halbe Stunde in die Dunkelheit, mitten im nichts, an die Straße. Es waren auch nur -7°C. Mein Highlight: eine Sternschnuppe.
Endlich kamen zwei Scheinwerferlichter aus dem Dunkeln auf mich zu. Erleichtert lud ich meinen gelben Engel auf eine Pizza ein. Als ich spätabends dann in meinem warmen Bettchen lag, war ich mehr als erleichtert.

Sonntag, 14. Dezember 2014

"Langsam wird es ungewöhnlich..."

Diesen Satz habe ich jetzt zum dritten mal gehört.
Zuerst war es Ende September: "Also normalerweise haben wir einen sehr schönen Spätsommer - nie soviel Regen wie bisher. Langsam wird es ungewöhnlich...".
Dann noch einmal Ende November: "Eigentlich ist es nie so warm im Herbst.Wir hätten schon längst mehr Schnee und Minusgrade haben sollen. Langsam wird es ungewöhnlich...".
Und heute Mittag: "Soviel Schnee und vor allem Schneestürmer sind nicht üblich für Island. Der Wind fegt normalerweise den Schnee wieder weg, oder es wird zwischendurch wieder wärmer sodass alles wieder schmilzt. Aber jetzt fast zwei Wochen Dauer-Schnee; das wird langsam ungewöhnlich...".
Kein Vergleich mit den Großen - aber nicht verwackelt 
Ich habe mir anscheinend ein Jahr mit ungewöhnlichen Wettervorherkomnissen ausgesucht. Aber vor allen gegen den warmen Herbst hatte ich nichts einzuwenden! Das jetzt der Winter ein bisschen übertreiben muss ist schon ein bisschen nervig. Vor allem weil ich morgen gerne nach Reykjavik fahren möchte. Und wenn es dann wieder anfängt zu stürmen wird die Verbindungsstraße zwischen Selfoss und Reykjavik gerne mal gesperrt. Aber die kalten Temperaturen haben auch eine positive Seite: klare Nächte. Und klare Nächte bringen meist auch Polarlichter! Der Trick ist dabei, einen guten Zeitpunkt zu erwischen vor die Tür zu treten. Bei -8°C warte ich nicht eine halbe Stunde bis das Licht vielleicht größer wird oder vielleicht doch ganz verschwindet. Eines Nachts hatte ich aber Glück - um ca. 23 Uhr waren riesengroße Lichter am Himmel! Und sie haben getanzt, sie sind gewandert und hatten kräftige Farben von grün und rot am Rand. Wunderschön. Leider hatte Gyda mir erst danach ihr Stativ gegeben - deswegen sind die Bilder eine Katastrophe. Nach dieser Nacht bin ich immer mit Stativ rausgegangen, aber so riesige Lichter hatte ich bisher nicht mehr abpassen können. Ich habe jedoch noch ein paar Wochen übrig.

Am Dienstag war ja mein Geburtstag! Hatte ich schon wieder fast vergessen. Nachdem ich lange geschlafen habe, packte ich meine kleinen Geschenke aus: Süßes, Socken, Ohrringe, Wollpolunder und ein Buch über die isländischen Weihnachtsmänner. Abends wollte Gyda mit mir nach Reykjavik auf ein Konzert fahren - aber das altbekannte Problem machte uns ein Strich durch die Rechnung: Das Wetter. Gyda hat mir zu Versöhnung aber ein Stück Schokotorte und Erdbeeren mitgebracht. So gingen wir nach dem Kaffeetrinken in einem sehr schönen Restaurant Essen. Ich war nach den Nudeln und dem Mousse au Chocolat so satt, ich wäre beinahe geplatzt! Der Tag ging wie gewöhnlich ratzfatz um, und jetzt ist schon wieder Sonntag.

Kurzes Update aus dem Stall: Die Kühe sind wunderhübsch geschoren worden - sie haben jetzt kleine Rattenschwänze. Sieht armselig aus, aber besser als die Dreckklumpen in den Haare.